Aufruf  zu Aktionen gegen den Karlsruhe-Lubmin Castor am 15. und 16. Februar
Wir rufen dazu auf den bevorstehenden Atommülltransport Mitte Februar zu behindern und unsere Kritik an der herrschenden Umweltpolitik in einen klar antikapitalistischen und antistaatlichen Kontext zu stellen. Der Polizeiapparat expandiert Tag für Tag und verfolgt auch international und mit immer neuen Mitteln (vermeintlich) in sozialen Bewegungen aktive Menschen. Besonders bei den aktuellen Protesten zur Atompolitik ist ein Autoritaristischer Trend kaum zu übersehen. Dennoch stehen die Zeichen auf Widerstand, denn wir werden die Ökonomisierung der sozialen und ökonomischen Umwelt nicht einfach so hinnehmen.

In einer Gesellschaft in der nicht die sozialen Bedürfnisse der Einzelnen oder ökologische Bedenken von vielen die Verhältnisse prägen, sondern
politische Standortinteressen, kapitalistische Logik und Konkurenz, verwundert es nicht, dass der Widerstand von Hunderttausenden nur den virulenten Ausbau des Polizeiapperates zur Folge hat. Die Eliten schützen sich. Der jüngst aufgeflogene Polizeispitzel Simon Brommer alias Simon Brenner, der auch die Sitzblockade in Berg beim Wendland-Castor im November infiltrierte zeigt, dass der Protest gegen eine ungewollte
Technologie – hier die Atomkraft – nicht als Bereicherung gesellschaftlicher Auseinandersetzungen gesehen wird, sondern bloß als
Gefahr. Als Gefahr für den Standort und den dort angesiedelten Konzernen wie die Atomkonzerne.

Da das so natürlich nicht gesagt werden kann, muss eine Gefahr für die „Allgemeinheit“ konstruiert werden. Eine dementsprechende Kampagne wurde dann auch vor dem letztjährigen Wendland-Castor gestartet, indem die Staatsanwaltschaft, durch die massenhafte Ermittlung wegen Aufruf zu Straftaten eine allgemeine Stimmung der Angst aufbauen wollte.

Zum Glück waren aber noch allzuviele geistig agil genug, um den strahlenden Atommüll und ein dahinterstehendes unmenschliches System, als die größere Gefahr zu erkennen, als diejenige die um genau diese Gefahr zu verhindern bereit sind Straftaten zu begehen. Wir sehen eine herrschaftsfreie Welt als notwendig, damit eine freie Aushandlung unter Menschen stattfinden kann, in der Abwägung welche Technologien genutzt werden sollen und welche nicht. Neben der Ablehnung von staatlicher Herrschaft, heißt dass für uns auch die herrschaftsförmigkeit des kapitalistischen Wirtschaftssystems zu erkennen.

Nun ist es also schon der dritte Castortransport der in diesem Winter quer durchs Land fährt und strahlt – der vierte Transport der ins russische Majak fahren sollte, konnte durch viel Widerstand verhindert werden. Nach dem massiven Widerstand im November im Wendland, soll der Widerstand
anscheinend erstickt werden indem es zur monatlichen Normalität wird, dass strahlende Fracht durch die Lande fährt.

Dieser Plan wird nicht aufgehen!

Selbst Mitte Dezember während sibirisch-winterlichen Verhältnissen gab es überall entlang der Strecke Gruppen die versuchten den Castor zu stoppen. Nahe Lubmin wurde der Widerstand dann massiver. Einer Gruppe gelang es sogar sich in einem Betonblock in den Gleißen festzuketten. Bei eisigen Minusgraden konnten sie den Transport so für viele Stunden stoppen. Wir rechnen fest damit, dass sich beim kommenden
Lubmin Castor noch eine Schippe draufsetzten lässt.

Betrachten wir näher die gelb-braune Suppe, die da ins Zwischenlager Lubmin gefahren werden soll. Im Kernforschungszentrum in Karlsruhe wurde während des Nationalsozialismus an der deutschen Atombombe geforscht. Glücklicherweiße verloren die Nazis den Krieg vor der Fertigstellung der Bombe. Diese Geschichte veranlasste das Nachkriegsdeutschland aber nicht dazu diesen Standort für immer dicht zu machen. Im Gegenteil: Der braune baden-würtenbergische Filz pumpte Milliarden in das Kernforschungszentrum, um sich eine führende Stellung in der Atomforschung auszubauen – mit denselben Wissenschaftlern die schon vor 1945 forschten.

Und: In Karlsruhe ist alles vorhanden was für die Atombombe gebraucht wird. Und ebenfalls jede Menge hochstrahlender Suppe, die nun nach Lubmin gebracht werden soll. Auf Straßenbahnschienen fährt diese strahlende Fracht in zwei Wochen durch Karlsruhe.

Wir rufen zur Teilnahme an der geplanten „Nachttanzblockade“ auf. „Tag X: Ob Tag oder Nacht. Ob tanzend, feiernd, stehend, sitzend- Wir stoppen mit einer Gleisbesetzung den Castor“ heißt es im Aufruf. Das klingt gut und wir meinen, das ist nicht weit von Dreyeckland. Mobilisiert eure Freunde und versucht es vor dem 15. Februar in Karlsruhe zu sein.

Beachtet aktuelle Infos auf der Seite: www.nachttanzblockade.de

Es lohnt sich auch nach Lubmin zu fahren und dort an den Blockaden teilzunehmen. Vorort wird Infrastruktur für den Widerstand organisiert. Auch auf der restlichen Strecke gibt es viele Möglichkeiten zu blockieren. Organisiert euch in Bezugsgruppen, seid kreativ, seid direkt!

Kapitalismus endlagern!
Lubmin? Nix da!

AAID – Januar 2011